22. März 2015

Ein Tag am See + Gewinner

Hallo ihr Lieben,

Paul und ich haben am Freitag das schöne Wetter gestern genutzt, um einen Ausflug an den Ammersee zu machen. Wir sind am späten Vormittag losgefahren - von München aus braucht man nur 30 Minuten - und haben einen Parkplatz direkt am Wasser gefunden.* Das Sonnenlicht glitzerte auf den Wellen, die leise plätschernd ans Ufer schlugen, an den Baumspitzen leuchteten die ersten grünen Triebe und die Luft war ganz kühl und klar. Möwen riefen und am Horizont, fast verborgen im milchigen Dunst, zog ein kleines Schiff vorbei. Paul lief am Ufer auf und ab und warf Steine ins Wasser, ganz konzentriert. Ich hielt mein Gesicht in den Sonnenschein, schloss die Augen und spürte förmlich, wie der Stress der letzten Wochen von mir abfiel. Viel Arbeit, viel zu tun und viele Kilometer auf der Autobahn, Streit mit meinem Mann, der so viel, viel zu viel, arbeitet, dann noch ein Magen-Darm-Virus, der erst Paul und dann mich erwischte, keine Zeit und Kreaitivität zum Bloggen und darüber immer die leise Wut auf mich selbst, dass ich das alles nicht besser hinbekomme. Dass es mich stresst,  dass ich keine Super-Working-Mom bin, die Arbeit, Haushalt und Kind mit Energie und Effizienz wuppt. Dass ich nach der Arbeit müde bin, wenn ich Paul von der Krippe abhole und eigentlich am liebsten erst einmal eine Stunde auf dem Sofa sitzen, lesen, Kaffee trinken würde. Dass Paul dann aber meistens gerade erst aus einem zweistündigen Mittagsschlaf erwacht ist, voller Energie und Tatendrang. Dass ich dann oft ungeduldig bin, meckere, rumschreie. Den Perfektionsanspruch an mich selbst habe ich schon längst nicht mehr, aber etwas mehr Gelassenheit in solchen Momenten wäre schön. Umso mehr genieße ich es, wenn wir uns einfach durch den Tag treiben lassen können, ohne Hektik und Verpflichtungen.




Nach einem kleinen Picknick am Wasser (ok, das klingt jetzt so nach selbstgemachtem Obsalat in Weck-Gläsern und Tomate-Mozzarella-Spießchen, war in Wirklichkeit aber eine Leberkässemmel und Johannisbeerkuchen :), sind wir noch die Promenade entlang spaziert. Hier kommt man an vielen netten Cafés und Restaurants vorbei, besonders gut hat mir das Restaurant Seehof mit seinem Biergarten direkt am Wasser gefallen. Hier gibt es auch eine Rutsche und Schaukeln.



Direkt hinter dem Biergarten beginnt ein kleiner Park, wo man, wie ihr auf dem Bild unten sehen könnt, auch hervorragend in der Sonne am Wasser sitzen kann.



Hinter dieser kleinen Landzunge kann man wieder schön am Ufer liegen, was wir dann auch gemacht
haben. Und ich hab tatsächlich in Ruhe ein paar Seiten in meinem Buch gelesen und Kuchen gegessen, während Paul mal wieder Steine und Stöcke ins Wasser geworfen hat. Als wir also so am Ufer saßen, näherte sich ein etwas seltsamer, mittelalter Mann mit einer Fernsteuerung in der Hand, der beständig ein kleines Motorboot genau vor mir auf dem Wasser herumkreisen ließ und immer wieder zu mir herrüber blickte. Irgendwann kam er dann zu mir, stellte die Steuerung genau neben mich und setzte sich in zwei Metern Entfernung neben uns. Ich blickte ihn fragend an.

"Sie haben jetzt das Kommando" rief er und zeigte auf die Fernsteuerung.
Ich so: "Äh, ich habe das Kommando?!" 
Er: "Ja, nur zu, fahren Sie!"
Ich: "Ja, aber eigentlich wollte ich jetzt meinen Kuchen essen. Und außerdem habe ich klebrige Finger!"
Er (sehr ernst): "Aber Sie haben jetzt das Kommando!"
Ich (fühle, dass die Pflicht mich ruft): "Okayy..." Ich nahm also die Steuerung und zog an irgendeinem Hebel, das Motorboot raste prompt auf das Ufer zu. Der Mann sprang auf und eilte auf das Ufer zu, um sein Boot zu retten. "Jetzt übernehme ich besser wieder!" sagte er vorwurfsvoll, nahm mir die Steuerung ab und lief mitsamt Motorboot davon und ich habe mir, frei nach Frau Novemberregen nur gedacht: Alle irre! (Wer Frau Novemberregen noch nicht kennt,  möge z.B. diesen Post lesen und sie ebenso wie ich einfach genial finden) 

Am späten Nachmittag haben wir beschlossen, dass wir noch nicht nach Hause wollten, und sind noch einen Ort weiter, ins beschauliche Dießen gefahren. Dort parkt man am besten am kleinen Bahnhof; hier kann man an einem Übergang die Gleise überqueren und kommt direkt bei einem schönen und kleinkindgerechten Spielplatz raus.




Von dort aus kann man auch zum kleinen Hafen von Diessen spazieren, wo man, mit einem kichernden und anscheinend furchtlosen Kleinkind, einem Stück Semmel und gefühlt 3000 Möwen und Enten sehr schön Hitchkocks beste Filmszenen nachspielen kann. (hiervon leider keine Fotos, weil ich die ganze Zeit den Kopf einziehen und mit den Armen wedeln musste)



Irgendwann, kurz vor Sonnenuntergang, haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht. Paul war ganz rotwangig und plapperte aufgeregt den ganzen Weg bis zurück zum Auto, erzählte, was er heute erlebt hatte, von Steinen und Kuchen und Enten, und schlief fast augenblicklich ein, als ich losfuhr.

Als ich ihn später aus dem Kindersitz hob, dufteten seine Haare nach Wind und Sonne. Hach.


Gestern Abend habe ich es dann endlich geschafft, die Gewinner des letzten Posts auszulosen. Ich wollte es ja eigentlich als Gesamtpaket verschenken, werde es aber jetzt doch aufteilen, dann habe ich heute gleich drei Leute glücklich gemacht! :)

Gewonnen haben:
1. Brotbeutel und Brottuch von eversnack: Tanja R. 
2. Zwei Quetschbeutel von breidabei: Elke Diet_ (ohne Blog)
3. Ein Probierset von Ringana: Fräulein Rucksack

Ihr Lieben, schreibt mir bitte innerhalb einer Woche eine Emailadresse mit eurer Adresse.

Habt noch einen wunderbaren Sonntag!

Alles Liebe
Julia


P.S. Ausgangspunkt unseres Ausflugs war Herrsching, der Parkplatz an der Seestraße. Von hier muss man nur die Straße überqueren und ist schon am See.

P.P.S. Fasten ...läuft! ;) Naja, bis auf ein, zwei, drei kleine Zusammenstöße mit Salzstangen. Aber immerhin kam seit Aschermittwoch kein Stück Schokolade über meine Lippen und auch keine anderen Süßigkeiten. Das ganze kompensiere ich hoch professionell mit sehr viel Kuchen. ;D Naja, man soll ja klein anfangen. Aber dazu schreib ich demnächst noch einen eigenen Post.

5. März 2015

Nachhaltig leben mit Kleinkind + Give away

Hallo ihr Lieben,

als Mutter fragt man sich ja fast täglich: Welche Welt wollen wir eigentlich unseren Kindern hinterlassen? Wie können wir Ressourcen schonen, erneuerbare Energien fördern, nachhaltig und klimasensibel leben? Wie kann ich als Einzelne einen Beitrag leisten?

Öhm, ja.
Wenn ich ehrlich bin, frage ich mich dann doch häufiger: Wieso ist hier eigentlich schon wieder so ein Chaos? Wann hatte Paul eigentlich das letzte Mal eine Kacki-Windel? Wenn ich noch einmal das ABC-Lied aus diesem dämlichen Baby-I-Pad hören muss, explodiert dann mein Schädel?

Da ich nun selbst im Alltag viel zu selten dazu komme, mir so nachhaltige Gedanken zu machen, finde ich es großartig, dass es viele Menschen gibt, die das tun. Im letzten Monat wurde ich von gleich drei netten Müttern angeschrieben, die Produkte und Ideen zum Thema Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Bio/Öko/WissterBescheid entwickelt haben.

Diese möchte ich euch heute gerne vorstellen - ein kleines Give away ist dabei auch noch für euch herausgesprungen:)

Die Fotos sind übrigens in einer schlecht ausgeleuchteten Umkleide und mit einer etwas von Banane verschmierten Handykamera nach dem Kinderturnen entstanden. Ich bin so ein Profi!


1.) Wiederverwendbare Brotbeutel aus Baumwolle

Bei eversnack.de gibt es wiederverwendbare Brotbeutel und Brottücher aus Baumwolle, z.T. sogar Bio-Baumwolle, als praktische Alternative zur sperrigen Brotdose oder umweltschädlichen Alufolie. Hier können nicht nur Brote, sondern auch Äpfel, Bananen oder andere Snacks immer wieder verpackt werden. 


1. Klettverschluss öffnen, 2. hineingreifen, 3. Banane rausholen (4. Aufkleber abpulen und an Mamas Hose kleben, 5. erfolglos versuchen, Banane zu öffnen 6. aufheulen 7. Mama Banane geben 8. Mama die schon leicht zerknautschte Banane öffnen lassen 9. Banane komplett schälen 10. einmal abbeissen 11. "Paul mag keine Nane!" rufen und Mama die Banane in die Hand drücken und weglaufen )

Die Brotbeutel und Brottüchern sind von innen übrigens mit mit einer recycelbaren und BPA freien Kunststofffolie vernäht und können einfach abgewischt bzw. von Hand ausgewaschen werden. Ich finde die Beutel wirklich sehr platzsparend, gerade für Obst. Wer so wie ich schon öfters mal eine aufgeplatzte Banane aus der Wickeltasche gewischt hat, wird mir das sicher nachvollziehen können. ;)

Die Sandwich Brottücher (findet ihr auf der Homepage) lassen sich aufklappen und werden so zu einer Art Mini-Picknickdecken. Sie sind praktisch für den Spielplatz-Besuch oder auf Reisen. Meiner Meinung nach sind sie auch das perfekte Geschenk für bahnreisende Senioren, da man auf ihnen bestimmt auch hartgekochten Eier und Leberwurstbrote hervorragend anrichten kann.


2.) Wiederbefüllbare Quetschbeutel

breidabei, das sind Quetschbeutel zum Selbstbefüllen, die immer wieder verwendet werden können. Im Prinzip funktionieren sie genauso wie die Supermarkt-Quetschies, nur dass man sie unten öffnen und selbst befüllen kann. Das heißt, man kann selbst entscheiden, was hinein kommt und produziert gleichzeitig weniger Plastikmüll.  Auch haben die breidabei Quetschies deutlich mehr Volumen als die gekauften, bis zu 130 ml Brei, Mus oder Joghurt passen hinein, und eignen sich daher auch gut für größere Kinder.




Das Motiv ist auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig - irgendwie eine Mischung aus wütender Krake und Munchs Schrei, oder? Aber muss ja auch nicht immer alles niedlich sein, finde ich.

Man kann die Beutel schnell unter klarem Wasser ausspülen und theoretisch auch in die Spülmaschine stecken, obwohl das nach Herstellerangaben schneller zum Verschleiß des Beutels beiträgt und bei uns auch nicht ganz so sauber geworden ist wie mit der Handwäsche.

Breidabei wurde übrigens von zwei Schwestern aus München gegründet. Meine Schwester und ich haben uns gleich wieder geärgert, dass uns das nicht eingefallen ist, aber nachdem meine Schwester schon an der Befüllung des Quetschies gescheitert ist ("Man kann den aufmachen? ich hab versucht das von oben zu befüllen!") ist es wohl auch besser, dass dieses Patent an uns vorbei gegangen wird. ;)

3. Frische Naturkosmetik
Bei der Naturkosmetik-Firma Ringana gibt es nur natürliche, nachwachsende Rohstoffe und es werden keinerlei Konservierungsstoffe verwendet - alles wird frisch hergestellt.
Ich habe ein kleines Probierset aus Hand- und Fußbalsam sowie Körpermilch zum Testen zugeschickt bekommen. Bisher habe ich nur den Handbalsam ausprobiert - fühlt sich gut an, sehr leicht, riecht dezent, zieht schnell ein. Find ich gut! :) 

Und jeeeeetzt könnt ihr auch noch etwas gewinnen! Hurra!

Ein sensationelles Paket bestehend aus:
1.) einem Brotbeutel und einem Brottuch eurer Wahl von eversnack
2.) Zwei Quetschbeutel von breidabei
3.) Ein Probierset von Ringana

Und was müsst ihr dafür tun?
Einfach nur bis zum 12.03.2015, 23.59 Uhr einen Kommentar hinterlassen. Wer keinen Gmail-Account hat bzw. keinen Blog, hinterlässt bitte eine Emailadresse. Die Teilnahme ist nur für volljährige Leser aus Deutschland möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und eine Barauszahlung des Gewinns nicht möglich. Der/die Gewinnerin wird hier auf dem Blog veröffentlicht.


Habt noch einen wunderbaren Donnerstag!

P.S. Fasten läuft bisher eigentlich ganz gut - mehr dazu in den kommenden Tagen! (Super Cliffhanger, was.... :P

Alles Liebe
Julia

19. Februar 2015

Julia fastet

Ihr Lieben,

hach, ich weiß gar nicht was ich sagen soll! So viele liebe Kommentare, Glückwünsche und Lob unter dem letzten Post - habt tausend Dank dafür! Ihr habt mich echt ein bisschen verlegen gemacht❤️
Und das nächste Mal verteile ich dann auch gleich eine Runde virtuelle Taschentücher. :D Ich bin immer noch ganz gerührt von der Vorstellung, wie ihr alle schniefend vor dem Bildschirm saßt. :))
Und dass sich auch einige sonst anonyme Leserinnen zu Wort gemeldet haben, freut mich ganz besonders. Das beruhigt doch ungemein, dass da tatsächlich echte Menschen bzw. heulende Mütter vor dem PC sitzen und keine perversen Axtmörder.

So, mit dieser eleganten Überleitung kommen wir gleich zu einem ganz anderen Thema.
Gestern hat ja die Fastenzeit begonnen.

Und ich...

werde...

Süßigkeiten

fasten!
*tatatatammm*

Ich esse nämlich viele Süßigkeiten. Sehr viele. Zu viele.
Und meistens zwischendurch, aus Langeweile, Stress, Ungeduld. Mein Tiefpunkt war vorgestern - das war vielleicht auch der ausschlaggebende Punkt - als ich mir nachts um elf vor dem Schlafengehen im Nullkommanix noch eine Vierer-Packung KitKat reingepfiffen habe. Einfach so. Weil sie da war.
Das muss ein Ende haben.

Bis zum Gründonnerstag gibt es hier nun:
- keine Süßigkeiten (Schokolade, Gummibärchen, Kekse...)
- keine Chips, NicNacs, Flips
- Kuchen/Teilchen nur in Maßen

Ob ich wohl durchhalte? Ich bin echt gespannt, da ich ja bekanntlich die Meisterin des Aufgebens bin und schon tausend Dinge mehr aufgegeben habe, als die meisten Menschen je angefangen haben. ;) Naja, immerhin zwei Tage habe ich schon geschafft! Fehlen noch 38! Leichteste Übung!
Heute habe ich anstatt Schokolade einen Apfel und eine Möhre gegessen und mich gleich ganz ätherisch gefühlt.

Ich habe es auch schon stolz meinem Mann erzählt, dass ich jetzt Süßigkeiten faste, worauf er wie ein Kind strahlte und sagte: "Toll, dann krieg ich ja mal was ab!"
So als ob er nie was abbekäme, weil ich immer alles aufessen würde.
Pfft.
Ok, das stimmt schon.
Aber ich kann auch einfach nicht mit Süßigkeiten im gleichen Raum sein, ohne sie auch zu essen.
Ich habe da ja die Süßigkeiten-Schubladen-Theorie. Die Kinder, bei denen es daheim Süßigkeitenschränke und -schubladen gab, haben als Erwachsene weniger Heißhunger auf Süßes weil es nicht so ein "Das ist etwas Verbotenes, das gönn ich mir jetzt"-Charakter hat.
Die anderen Kinder, das waren die, bei denen es das nicht gab und die dann auf den Kindergeburtstagen immer über diese Schubladen herfielen, um dann in einen hyperaktiven Zuckerrausch zu geraten. (Dreimal dürft ihr raten, zu welcher Gruppe mein Mann und zu welcher ich zählte.)

Weniger günstig ist, dass wir nach dem Geburtstagswochenende den ganzen Schrank voller Smarties, Gummibärchen, Keksen und Co. haben.
Ich werde jetzt einfach meinen Mann zwingen, alles in die Arbeit mitzunehmen. Dann kann er im nächsten wichtigen Businesskasper-Meeting eine Runde Mini-Smarties schmeißen. Wie in der Toffifee-Werbung. Da ist er bestimmt der Held! Also ich würde mich freuen. (Ach nee, ich faste ja)
Vor allem, wenn es so ist wie bei meiner letzten Teamsitzung, wo es den Tagesordnungspunkt "Geburtstage feiern ja/nein" gab und zwanzig Minuten diskutiert wurde, ob Geburtstage gefeiert werden, wenn ja, ob alle oder nur runde Geburtstage, und ob jeder selbst bestimmen kann, wieviel Geld er in den Pott wirft oder ob es eine Höchstgrenze gibt und dass man sich selbstverständnlich nicht verpflichtet sehen müsse, einen Kuchen zu backen, es aber natürlich jedem frei stünde und ob ein Geburtstag nicht per se etwas Privates sei, aber eine kleine Aufmerksamkeit doch schon angebracht.
Mit Smarties wäre der Drang, mit dem Schädel auf die Tischplatte zu schlagen, sicher deutlich geringer gewesen.

In diesem Sinne:
Wer fastet mit?!
Noch könnt ihr einsteigen - es wird WAHNSINNIG LUSTIG!
(meine Schwester hat festgestellt, dass man immer, wenn man etwas plant, nur "Es wird WAHNSINNIG LUSTIG" dazu schreiben muss, weil dann alle Leute denken, sie verpassen etwas und mitmachen)

Auf geht's, Mädels!
Es wird WAHNSINNIG LUSTIG!


Gute Nacht und schlaft schön

Julia









16. Februar 2015

2 Jahre

Gestern bist du zwei Jahre alt geworden, mein kleiner Schatz.
2 Jahre.



Wirklich schon 2 Jahre?
Wirklich erst 2 Jahre?

Schon 2 Jahre? Warst du nicht eben erst ein kleines Baby mit pechschwarzem Haar, das viel geweint, wenig geschlafen und genau in meine Armbeuge gepasst hat?
Erst 2 Jahre? Wie kann es sein, dass du erst zwei Jahre bei uns bist und es sich trotzdem so anfühlen, als wärst du schon immer da, schon immer ein Teil von uns gewesen?

Vor zwei Jahren bist du auf die Welt gekommen, mein kleines Winterbaby, so sehnsüchtig wurdest du erwartet. Jeder einzelne Tag der Übertragung zog sich in die Länge wie Kaugummi, einer Ewigkeit gleich. Und nun ist die Geburt schon zwei Jahre her und ich kann beim besten Willen nicht sagen, wo die Zeit geblieben ist.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, dich zu beschreiben. Du bist so niedlich und herzlich, kuschelst gerne und viel, du bist eigensinnig ohne dickköpfig zu sein, du verstehst schon so viel und  weißt mit deinen zwei Jahren schon so genau, was du willst, du schläfst immer noch nicht besonders gut, würdest immer noch gerne den ganzen Tag stillen und hast lustige Eigenarten, von denen wir uns nicht recht erklären können, wo sie herkommen.

Du bist ein sehr liebes Kind - z.B. teilst du gerne. Wenn du ein Päckchen Gummibärchen bekommst, gehst du eine Runde und verteilst sie - eins für den Opa, eins für die Oma usw. Aber wehe, jemand nimmt dir etwas weg! Wenn deine Cousine z.B. ein Stück Pappe unterm Tisch findet und damit wedelt, ist das natürlich "PAULS!!!" und die schönste und wunderbarste Pappe auf der ganzen Welt, die Bester-Freund-Pappe, ohne die ein Leben sinnlos ist. Du kreischst und wütest, bis dir deine Cousine die Pappe irgendwann gelangweilt überlasst und die Pappe damit nicht weiter interessant ist.
Dabei merke ich auch oft, dass du mittlerweile gar nicht mehr so klein und unschuldig bist und genauso zurück ärgern kann. Richtig in Rage kommt ihr beim Nein-Doch-Sagen. Deine Cousine sagt: "Ich hab' keinen Durst!" und du sagst "Doch!" Sie sagt "Nein!", du "Doch", bis sie irgendwann "NEEEEEIIIIINNN" brüllt und du lachst.
Überhaupt kann dich kaum jemand so zum Lachen bringen wie sie. Gestern etwa, als sie immer wieder an deinen Füßen gerochen und "Ihhh...Stinkefüße!" gerufen hat, wärst du vor Lachen fast vom Stuhl gefallen. (Mit deinem feinen Sinn für Humor kommst du offensichtlich nach deiner Mutter.)
Du lernst auch viel von ihr - z.B. Quatsch machen und dann "Entschuldigung!" sagen, oder selbst aufs Klo gehen, das übst du auch schon fleißig, so dass wir daheim häufig schon den ganzen Tag ohne Windel auskommen. Manchmal geht im Eifer des Gefechts auch etwas daneben, dann muss ich dich ganz schnell umziehen - "Der Paul ganz nass!" sagst du dann vorwurfsvoll.
Über deinen Sinn für Ordnung amüsiert sich schon die ganze Familie - ob es wohl noch viele Kinder gibt, die das Geschenkpapier erst einmal wegwerfen müssen, bevor sie sich dem Geschenk selbst widmen können?

Du bist verstädnisvoll und kooperativ. Naja, vorausgesetzt du bist nicht hungrig oder müde. Aber wenn du satt und zufrieden bist, kann man dir sehr viel erklären. Dass man zum Beispiel erst noch an der Kasse zahlen muss, bevor man in die Breze beißen darf, zum Beispiel.
Du hast ein Verständnis von Zeit, auch wenn alles, was vergangen ist "gestern" ist, egal ob heute morgen, gestern oder im Sommer. ("Gestern" warst du nach eigenen Angaben Drachen steigen, beim Opa im Garten und hattest einen Marienkäfer auf der Hand sitzen, so hast du es uns zumindest heute erzählt)

Du bist ein bisschen eigenbrötlerisch und hast deinen eigenen Kopf. Was die anderen sagen oder machen, interessiert dich nicht so sehr. In der Krippe hast du den Bereich um die Spielküche zu deinem Territorium erklärt und verstehst gar nicht, warum du nicht da am Tisch essen kannst und mit den anderen Kindern am großen Tisch sitzen sollst. Aber mittlerweile kommst du wohl auch mal aus deiner Ecke raus und spielst auch mit den anderen Kindern. Letzte Woche hast du gefragt, wann du wieder in die Krippe kannst und "Paul gerne Krippe geht. Alle Kinder gerne mag!" gesagt - Gott, war ich da froh!

Manchmal hast du deine verrückten fünf Minuten - dann läufst du wie der geölte Blitz hin und her und rufst "Der Paul 'nelllll!" - Der Paul ist so schnell! Aber gleichzeitig macht dir Geschwindigkeit auch ein bisschen Angst - mit deinem neuen Laufrad (eine kleine Vespa!! Ich find sie so cool!) gehst du im Schneckentempo durch den Flur und hängst dir deinen kleinen Korb an den Lenker - dann fährst du "eikaufn". 
Du hilfst gerne im Haushalt mit - Wäsche aufhängen oder den Plastikmüll aus dem Eimer in den gelben Sack stopfen, Tisch wischen und decken, kehren und saugen. Wie lange das wohl noch anhält?

Du bist klug. Du kennst alle Farben und betonst das auch immer gerne mit einem zurückhaltenden "Der Paul kennt alle Farben!! ALLE FARBEN!". Du findest sofort ein bestimmtes Buch in deinem dreistöckigen Bücherregal. Du hast Lieblingsbücher, von denen wir uns oft gar nicht erklären können, warum. "Ich hab dich lieb" zum Beispiel, das eigentlich für Einjährige ist, schleppst du immer wieder an. Am Ende des Buches sagt die Mama Elefant zum Baby Elefant "Doch egal, ob du gut warst, mal wenig, mal mehr, eins ist ganz sicher - Ich liebe dich sehr!"
"Liebe sehr!" sagst du dann immer, so wie "Bitte sehr!" und lachst. Neulich, als wir abends im Bett lagen, hast du mir plötzlich in die Augen gesehen und "liebe sehr!" gesagt und ich war ganz überrumpelt und gerührt von dieser ersten und unerwarteten Liebeserklärung von dir, dass ich gar nichts sagen und dich nur fest umarmen konnte.

Weißt du, was witzig ist? Das fast jeder, dem ich sage, wie alt du bist, sagt: Ach, genieß es, das ist die schönste Zeit! Und das sagen Sie mir, seit du geboren wurdest. Denn egal, ob klitzekleines Baby oder schon so großer Zweijähriger - eigentlich ist immer die schönste Zeit.
Eigentlich immer, wenn wir zusammen sind.

Ach mein kleiner Schatz, was könnte ich hier noch schreiben?
Etwa, dass du immer noch so klein wirkst, wenn du schläfst. Wenn du die Arme neben deinen Kopf abwinkelst, so wie du es als Baby schon getan hast. Oder davon, wie es zieht in meinem Herzen, wenn ich sehe, wie du ganz tapfer mit deinem Teddy unterm Arm in den Gruppenraum der Krippe stapfst und mir sagst, dass du "schon groß" bist. Und wie schön es ist, dich nach der Arbeit abzuholen, dich noch beim Spielen zu beobachten, bis du mich bemerkst und losrennst und dich in meine Arme wirfst. 

Ich hoffe, du weißt, dass sie immer offen für dich sein werden.

Mein Schatz, was bleibt mir am Ende anderes zu sagen als:
Liebe sehr.
So sehr!
So, so sehr!

Deine Mama